Kriminalgeschichte II: Auf Spurensuche in der jüngeren Vergangenheit
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Auch im zweiten Jahr des Wahlpflichtfachs „Kriminalgeschichte“ beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Entwicklung von Recht, Kriminalität und Strafverfolgung von der Antike bis ins moderne Österreich. Aufbauend auf den im Vorjahr behandelten historischen Rechtsquellen lag der Schwerpunkt dieses Jahr auf ausgewählten Themen der jüngeren Rechts- und Kriminalgeschichte. Dabei standen insbesondere Fragen von Gewalt, Strafrecht und gesellschaftlichem Wandel im Mittelpunkt. Die Arbeit mit historischen Quellen wurde immer wieder mit aktuellen Fragestellungen verknüpft – etwa bei der Auseinandersetzung mit Folter und Todesstrafe, sexualisierter Gewalt gegen Frauen oder unterschiedlichen Perspektiven auf Schwangerschaftsabbruch und dessen rechtliche Regelung.
Ergänzt wurde der Unterricht der zehnköpfigen WPG-Gruppe durch Exkursionen und Lehrausgänge, die einzelne Themen vertieften: Den Auftakt bildete im Jänner ein Vortrag im vorarlberg museum zum Vorarlberger Priester Carl Lampert, der wegen seines Widerstands gegen das NS-Regime vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und 1944 hingerichtet wurde. Wenige Wochen später beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der 8a gemeinsam mit der Sozialarbeiterin Ramona Andlinger vom Verein Amazone mit unterschiedlichen Formen von Gewalt und der Frage, wie insbesondere sexualisierte Gewalt im Alltag erkannt und verhindert werden kann.
Eindrücklich war auch die Exkursion zum Landesgericht Feldkirch im März. Dort verfolgten die Schülerinnen und Schüler einen Nachmittag lang zwei Gerichtsverhandlungen und erhielten dadurch einen unmittelbaren Einblick in die österreichische Strafjustiz. Richter Theo Rümmele nahm sich vor und nach den Verhandlungen Zeit, um Fragen zu Gerichtsalltag, Strafmaß und Urteilsfindung sowie zu seinen persönlichen Erfahrungen im Justizsystem zu beantworten.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Diskriminierung und Antisemitismus. In zwei Workshops des Jüdischen Museums Hohenems zum Thema “Ohne Angst verschieden sein” setzte sich die WPG-Gruppe zunächst mit aktuellen Formen von Ausgrenzung und gesellschaftlichen Feindbildern auseinander, bevor sie die historischen Wurzeln antisemitischer Vorurteile von der Antike bis in die Gegenwart nachverfolgten. Die Arbeit mit Biografien jüdischer Vorarlbergerinnen und Vorarlberger ermöglichte dabei einen persönlichen Zugang zu den Auswirkungen von Verfolgung und Diskriminierung auch in unserer unmittelbaren Umgebung.
Die verschiedenen Programmpunkte zeigten einmal mehr, dass Kriminalgeschichte weit mehr ist als die Beschäftigung mit spektakulären Verbrechen der Vergangenheit und Gegenwart: Sie eröffnet Einblicke in Fragen von Recht, Gerechtigkeit, Gewalt, Vorurteilen und gesellschaftlicher Verantwortung – Themen, die heute ebenso aktuell sind wie sie es vor 80, 200 oder auch 2000 Jahren waren.










